Iris Mühe, eine Künstlerin, die sich zeitlebens in keine einfache Kunstschublade stecken ließ. Ihr Schaffen war das beeindruckende Resultat eines bewegten, außergewöhnlichen Lebensweges, der europäische Eleganz, die Magie Südamerikas und weltweite Inspirationen auf einzigartige Weise miteinander verband. Aufgewachsen in Augsburg, entschloss sie sich 1964 aus Liebe – aber auch, um der Enge ihrer Heimat zu entfliehen –, nach Kolumbien zu gehen. Ihr Leben dort war reich an Gegensätzen: Neben der Kunst begleiteten sie Familienmanagement, Viehzucht, Landwirtschaft und das hingebungsvolle Engagement in der ehrenamtlichen Sozialarbeit in kolumbianischen Kinderstätten.
Aufgrund ihrer außergewöhnlichen künstlerischen Begabung wurde sie 1970 an der Academia de Arte aufgenommen, wo sie Kunstgeschichte und Malerei unter anderem bei Maestro David Manzur und Ariza studierte. 1978 schloss sie zudem ihre Ausbildung als Dekor-Designerin in Dallas (USA) ab. Ergänzt durch Studienaufenthalte in Paris, Mailand und Griechenland, Besuche der Salzburger Sommerakademie bei Jörg Immendorff sowie Seminare im Kontaktstudium der Universität Augsburg gewann sie an kostbaren Wissen, um stetig ihren unverwechselbaren Stil zu verfeinern.
Das Fundament all ihrer Arbeiten bildeten ihre eigenen, realen Erlebnisse und unzählige Reisen. Auf zwei Weltreisen rund um den Globus, auf den amerikanischen Kontinenten, in Asien, im Orient und auf den Weltmeeren fing sie lebendige Augenblicke ein. Ihre Bilder sind keine bloße Fiktion, sondern visuelle Tagebücher – Transformationen von Erlebtem, Gesehenem und tief empfundenen Momenten.
Ebenso facettenreich wie ihre Reisen war ihre technische und stilistische Bandbreite. Iris Mühe bewegte sich mühelos zwischen figürlicher Darstellung, ausdrucksstarkem Expressionismus, feiner Symbolik und hohem Abstraktionsgrad. Auch bei den Materialien bewies sie eine unversiegbare Schöpferkraft: Als akademische Porzellandesignerin bemalte sie feinstes Porzellan ebenso meisterhaft wie klassische Leinwände, Karton, Spezialpapiere oder Holz. Dabei wandte sie unterschiedlichste Techniken an – von farbgewaltiger Ölmalerei und zarten Aquarellen über Mischtechniken bis hin zu feingliedrigen Zeichnungen.
Ihre Kunst verstand Iris Muehe stets als Verbindung zwischen vielfältigen Menschen. Sie gab Privatunterricht, leitete VHS-Kurse, war Gastdozentin an Kunstakademien und begeisterte als Mallehrerin an Seetagen auf Luxuslinern wie der MS Europa und MS Bremen Reisende für die Malerei. Als mehrfach international ausgezeichnete Künstlerin – unter anderem gewürdigt durch die Aufnahme in „The World Who’s Who of Women“ – wurden ihre Arbeiten in renommierten Galerien von Sylt, München und Frankfurt über die USA und Kolumbien bis nach Mallorca und Kuwait gezeigt.
Iris Mühe hat ein zeitloses künstlerisches Erbe hinterlassen: Eine Einladung, genauer hinzusehen, Verstecktes zu entdecken und sich von dem Zusammenspiel aus echten Lebenserfahrungen, Licht und Schatten berühren zu lassen.